Hanauer Anzeiger: Ein Brocken der leisen Tönen
US-Profi Lionel Sullivan soll die White Wings unter den Körben verstärken
Basketball (sha). Die Turngemeinde Hanau (TGH) hat für die Regionalligasaison 2010/2011 einen weiteren US-Profi verpflichtet. Es handelt sich um den als Center und Flügelspieler einsetzbaren Lionel Sullivan. Der 23-Jährige kommt direkt von einem College in Michigan in die Goldschmiedestadt und ist zum ersten Mal in Europa. Eine Verstärkung soll der 2,01-Meter-Brocken vor allem unter den Körben sein. Doch auch im Abschluss hat Sullivan, der im Team Führungsaufgaben übernehmen möchte, seine Stärken.

Europa ist für Lionel Sullivan eine neue Erfahrung. Den nordamerikanischen Kontinent hatte Sullivan vor seiner Ankunft am Sonntag in Frankfurt noch nie verlassen. „Als ich hier ankam, hatte ich ein Jetlag und irgendwie auch einen Kulturschock“, sagt der Mann aus Detroit. „Auf das körperbetonte Spiel in Europa freue ich mich, auch wenn in den USA nur wenig darüber gesprochen wird“, meint Lionel Sullivan, der wegen seiner physischen Präsenz in seiner Heimat bereits mit NBA-Star Carmelo Anthony verglichen wurde. Um sich in Hanau leichter zurecht zu finden, hofft er auf die Hilfe des zweiten US-Profis Anish Sharda, der bereits seit 2007 in Deutschland spielt.

Seine erste Station als Profibasketballer betrachtet Sullivan als Sprungbrett. „Irgendwo muss man immer anfangen. Die White Wings und die deutsche Regionalliga halte ich für eine ideale Gelegenheit“, glaubt der Familienvater, der Frau und Tochter in den USA zurücklassen musste. „Ich bin auch für sie nach Europa gekommen und strebe eine Profikarriere an, um gut für meine Familie sorgen zu können.“ Zuvor spielte Lionel Sullivan an der Northwood University in Michigan. Bei den Timberwolves konnte er in der NCAA Division II, Amerikas zweithöchster Spielklasse für Collegemannschaften, mit Zahlen beeindrucken.

Mit einem Schnitt von 18 Punkten und neun Rebounds pro Partie war der Neu-Hanauer nach beiden Kriterien der beste Spieler seines Teams. Mit seiner Masse und seinem guten Timing macht Sullivan auch beim Block eine gute Figur. Beim Schuss aus der Distanz besitzt er Qualitäten und glänzte mit einer Erfolgsquote von über 40 Prozent. Wenn die Statistik überhaupt eine Schwäche offenbart, dann sind es die Steals – am Boden scheint dem großen und kräftigen Center die Beweglichkeit abzugehen. Headcoach Hans Beth, der selbst zwei Trainerposten in den USA inne hatte, kennt die regionale Collegeszene bestens und kam so auf Sullivan.

„Ich kannte Hans aber zuvor nicht. Wir respektieren uns gegenseitig und haben eine gute Basis für unsere Zusammenarbeit geschaffen“, beschreibt der US-Profi das Verhältnis zu seinem neuen Coach. Eng zusammenarbeiten wird Lionel Sullivan mit Co-Trainer Casey Bruce, der die Berufsbasketballer körperlich fit halten soll – Rad fahren und Besuche im Fitnessstudio stehen auf dem Programm. Sullivan kommt selbstbewusst nach Deutschland und kündigt an: „Ich möchte hier ein echter Leader sein, wie ich es zuvor schon für viele Teams gewesen bin.“ Dabei schlägt der 23-Jährige nach eigener Aussage aber eher leise Töne an und will seine Mannschaftskameraden lieber aufmuntern als anbrüllen. (HA/Dominic Sharaf)