Hanauer Anzeiger: Handschlag unter Sportsmännern
TG Hanau verlängert Vertrag mit Trainer Hans Beth - „Engagement jenseits der Halle sprach für ihn“
Basketball (sha). Es ist alles andere als eine Überraschung: Hans Beth bleibt auch in der ProB Trainer der White Wings. Der 56-Jährige einigte sich am Wochenende mit der Turngemeinde Hanau (TGH) auf einen neuen Vertrag zu alten Konditionen. Der Verein bindet seinen Erfolgscoach erneut nur für eine Saison, will allerdings gemeinsam mit Beth ein langfristiges Konzept entwickeln. Über die sportlichen Zielen der Zusammenarbeit schweigen sich beide Seiten noch aus, allerdings scheint ein weiterer Aufstieg in die ProA ein Thema zu sein.


Hinter den Kulissen war schon lange klar: Hans Beth bleibt für ein weiteres Jahr. Jens Gottwald verschweigt das nicht: „Wir haben von dem Tag seiner Verpflichtung an eine langfristig gedacht“, erklärte der TGH-Vizepräsident, der die Laufzeit des Einjahresvertrag seines wichtigsten Angestellten als zweitrangig betrachtet. Beth selbst sprach von einem „Handschlag unter Sportsmännern“, als es im vergangenen Frühling um eine Zusammenarbeit über das Saisonende hinaus ging und räumt ein, dass in diesem Jahr ähnlich verfahren wurde.. Die Vertragsgespräche bezeichneten beide Seiten als „sehr entspannt“. Kein Wunder, schließlich ging es am Verhandlungstisch nicht um Geld. Der neue Kontrakt läuft zu alten Konditionen weiter. Ob das Management dabei von einer möglichen Option im Arbeitsvertrag des Trainers Gebrauch machte, ließen Gottwald und Beth offen.

Im abgelaufenen Basketballjahr hatte der Trainer viele Argumente für eine Verlängerung gesammelt. Erstens seine sportliche Bilanz: 24 Siege in 26 Saisonspielen, die Meisterschaft in die Regionalliga und der Aufstieg in den Profibereich – damit die Zielerreichung des Projekts „Höhenflug 2012“ ein Jahr vor dem eigentlich avisierten Termin. Zweitens seine Erfahrung als Basketballlehrer: Hans Beth arbeitete an US-amerikanischen Colleges genauso erfolgreich wie an deutschen Universitäten, feierte Titelgewinne mit Jugendmannschaften und Profiteams. Mindestens ebenso wichtig war für das Management Pluspunkt Nummer drei: das Engagement, das der Trainer jenseits der Seitenlinie an den Tag legte. „Hans hat sich auf jede erdenkliche Weise bei der TGH eingebracht“, lobte Jens Gottwald.

Denn in dieser Saison führte bei der TGH kein Weg an dem Namen Beth vorbei: An einem Tag hielt Vorträge für Sparkassen-Manager und kelterte einen White Wings-Sekt, an einem anderen organisierte er ein Fantreffen und plante eine Auswärtsfahrt mit Weinprobe und Barbecue. „Das ist der beste Beweis dafür, wie ernst er seinen Job nimmt“, unterstrich Gottwald. Was die Turngemeinde besonders freuen dürfte: Durch solche Aktionen hat Hans Beth all diejenigen lügen gestraft, die den Mainzer schon vor seinem Amtsantritt als Legionär abgestempelt hatten. „Da ist etwas zusammengewachsen. Ich bin in Hanau heimisch geworden“, insistierte der hauptberufliche Bankdirektor und erinnerte an 60 E-Mail-Glückwünsche, die ihn nach dem Aufstieg erreichten - aus den unterschiedlichsten Lebensbereichen, aber alle aus der Goldschmiedestadt.

Über ein wichtiges Detail schweigen sich die Beteiligten jedoch noch aus. Die Zielvorgabe für die Saison 2011/2012 bleibt offen. „Es ist noch zu früh für eine konkrete Aussage“, bremst Jens Gottwald und betont, dass der Kader für die erste Mannschaft noch nicht stünde. Mit Spielern wie dem ehemaligen NCAA-Akteur Chris Miles in den eigenen Reihen dürfte es für die White Wings jedoch um mehr als nur den Klassenerhalt gehen. Zwischen den Zeilen kokettierte das Management zuletzt mit der ProA. Hans Beth übt sich in Zurückhaltung: „Sportlicher Erfolg ist nicht programmierbar“, warnt er. Und dennoch versuchen sich die Verantwortlichen der Basketballabteilung wieder an dieser Aufgabe: „Wir sind an einem Konzept für die nächsten zwei bis drei Jahre dran“, bestätigte der alte und neue Hanauer Trainer. Gut möglich, dass sich der Einjahresvertrag wieder verlängert – per Handschlag. (Hanauer Anzeiger/Dominik Sharaf)