Triumphzug der White Wings
Regionalliga: TG Hanau nach hart erkämpften 78:70-Sieg über TuS Treis-Karden am Ziel
Basketball (sha). Es ist vollbracht: Die Basketballer der Turngemeinde Hanau (TGH) sind Meister der Regionalliga und haben den Aufstieg in die ProB geschafft. Am Samstag Abend krönten die White Wings eine grandiose Saison mit einem furiosen Finale: Gegen den unmittelbaren Verfolger TuS Treis-Karden siegten die Mannen von Hans Beth in einer umkämpften Partie mit 78:70 (38:37). Der 21. Sieg im 22. Spiel war ein Spiegelbild der letzten Monate: Ein starker Anish Sharda, ein hoch motivierter Gegner in einer tosenden Main-Kinzig-Halle und ein Trainer, der für eine Überraschung gut war.

Nach der Schlusssirene kannte die Freude keine Grenzen: Während Chris Miles Frau und Tochter herzte, Management-Mitglied Mate Condic das ganze Team im Meister T-Shirt einkleidete und viele Spieler auf der Tribüne feierten, ging einer richtig steil: Hans Beth. Am Hallenmikrofon nach der Partien sonst für kühle Analysen bekannt, ließ der Cheftrainer seinen Emotionen freien Lauf. Erst schrie er im Freudentaumel OB Kaminsky und Stadtrat Piesold mit der Forderung nach ihrer Rückkehr in Grund und Boden, dann sprach er 8100 Fans, die die Heimspiele in dieser Saison besuchten, ein lautstarkes Lob aus. Zurück im Flüsterton zeigte Beth, sonst stets distanziert-professionell, seine sentimentale Seite: „Ich danke meiner Frau und meinen Kindern, die es mir ermöglichen, vier Mal in der Woche nach Hanau zu kommen und diesen einmaligen Triumph teilzuhaben“, so ein gerührter  Headcoach.

Es hätte für die Mannschaft keine bessere Kulisse für die Meisterfeier als die an diesem Abend tosende Main-Kinzig-Halle geben können. Flügelspieler Pascal Ruth zeigte sich beeindruckt: „Es ist der Moment, für den ich zurück nach Hanau gekommen bin. Auch wenn ich gerne etwas mehr zum Erfolg beigetragen hätte, als es meine Verletzungen zuließen.“ Es waren die knapp 1000 Hanauer sowie die zahlreichen mitgereisten Treis-Kadener Fans, die aus der Arena einen echten Hexenkessel gemacht hatten. „Ich freue mich schon darauf, in der nächsten Saison wiederzukommen“, sagte ein gut gelaunter Teddy Arterberry und ergänzte mit Blick auf die Meisterfeier und einem Augenzwinkern. „Vorausgesetzt, ich überlebe den heutigen Abend.“ Gefeiert wurde der Aufstieg bis in die frühen Morgenstunden. „An diesem Sonntag macht niemand Schusstraining“, lachte der amerikanische Center.

Vor der Meisterfeier lag ein hartes Stück Arbeit. Von Anfang machte der TuS Treis-Karden klar, dass er im Kampf um einen Relegationsplatz keinen Zentimeter Parkett freiwillig herschenken würde. „Der Gegner war extrem aggressiv, kämpfte wie um sein Leben“, erkannte Topscorer Anish Sharda. Mit einer laufintensiven Verteidigung stellten die Moselstädter allen voran den flinken US-Profi und Sebastian Köhnert vor Probleme. Unter Dauerbewachung konnten die beiden den Korb nicht wie gewohnt attackieren, waren zu Passstafetten gezwungen und ließen sich so Fehler zu. Auf der anderen Seite waren es entweder der Amerikaner Jason Robertson mit Einzelaktionen oder das Treis-Kardener Kollektiv mit schnellen Tempogegenstößen, die für Punkte sorgten. Die White Wings retteten eine etwas schmeichelhafte 38:37-Führung in die Pause, nachdem das Team zuvor kaum in Front gelegen hatte.

Nach dem Seitenwechsel begannen die Kräfte der Gäste zu schwinden. Unmittelbar nach der Pause waren die Roten nicht mehr so präsent wie noch in Durchgang eins, was die White Wings allen voran in Person von Ilja Ickert bestraften. Mit einer leichten Führung im Rücken viel es der Turngemeinde leichter, die weiterhin bis zum Umfallen kämpfenden Treis-Kardener mit spielerischen Mitteln auf Distanz zu halten. „Trotzdem hat uns diese Truppe alles abverlangt“, stellte Pascal Ruth fest. Auch die mentale Ausgeglichenheit testete ein zunehmend frustrierter TuS, nachdem es auf dem Parkett mehrmals zu Rudelbildungen kam. Im Mittelpunkt: Kapitän Norman Lang, der anzeigte, von einem Gegenspieler ins Gesicht geschlagen worden zu sein. „Wenn einer cool bleibt, dann Norman“, meinte Trainer Beth.

Pascal Ruth verriet, wie sein Team die Nerven behielt: „Wir schaffen es, uns gegenseitig zurück auf den Boden der Tatsachen zu holen.“ Es folgte eine temporeiche Schlussphase, in der Treis-Karden noch einmal biss, kratzte und kämpfte. Bis auf vier Punkte an die White Wings herangerückt, trug allen voran Sharda seinen Teil zur endgültigen Entscheidung bei. „Ich liebe solche engen Situationen. Es sind die Momente, für die ich jeden Tag das Training besuche“, meinte der Kalifornier, der sieben der letzten neun Punkte beim 78:70-Sieg auf seinem Konto verbuchte. Und dann begann die Hanauer Aufstiegsparty. „Dieser Abend ist ein Meilenstein für den Verein. Die vielen Fans kommen nicht nur wegen der Mannschaft, sondern wegen dieses tollen Clubs“, jubelte Teddy Arterberry. (Hanauer Anzeiger/Dominik Sharaf)

TG Hanau: Miles (18 Punkte), Sharda (16 / 2 Dreier), Köhnert (14/3), Ickert (11), Wagner (10/1), Arterberry (6), Quarshie (2), Lang (1).