Showdown mit doppeltem Boden
Meisterschaft und Aufstieg im Visier: Am Samstag will die TGH eine starke Saison krönen
Basketball (sha). Der Spielplan hätte es mit der Turngemeinde Hanau (TGH) nicht besser meinen können. Die White Wings können als souveräner Tabellenführer in der Regionalliga am Samstag (19 Uhr) die Meisterschaft mit einem Sieg im direkten Duell mit Verfolger TuS Treis-Karden perfekt machen. Fraglich sind die Einsätze des mit Antibiotika behandelten Co-Kapitäns Norman Lang sowie Lionel Sullivans. Der Center wartet noch auf die Entscheidung über eine mögliche Sperre nach seiner Tätlichkeit am vergangenen Wochenende.


Gesteigerte Nervosität vor dem großen Showdown gibt es in den Reihen des designierten Aufsteigers nicht, wie Sebastian Köhnert sagt: „Natürlich kribbelt es. Aber wir bestreiten jedes Heimspiel vor großer Kulisse und haben im Hinterkopf, dass wir uns dank des riesigen Vorsprungs eine Niederlage leisten können.“ Die souveräne Tabellenführung der Hanauer ist einerseits ein Segen, weil sie freies Aufspielen ohne übermäßigen Druck erlaubt. Andererseits ein Fluch, denn die Lockerheit der White Wings könnte zum Stolperstein werden. Schließlich wissen alle Spieler: Es ist ein Finale mit Netz und doppeltem Boden. Selbst wenn die TGH verliert, wird sie aller Wahrscheinlichkeit nach durch die Aberkennung des Treis-Kardener Sieges gegen den DJK/MJC Trier am grünen Tisch zum Meister und damit auch zum ProB-Aufsteiger.
Zu viel Laissez-faire möchte Aufbauspieler Köhnert auf dem Parkett trotz der komfortablen Ausgangslage nicht erleben. „Ich hoffe, dass am Samstag die letzte Konsequenz nicht fehlt“, meint er. Voller Einsatz wird aber nötig sein sein, um den TuS Treis-Karden zu schlagen. Der überraschend starke Aufsteiger hat in der Rückrunde erst eine Partie verloren und reist in Hanau mit einem eigens gecharterten Fanbus an. Prunkstück des Spiels der Moselstädter ist die starke Defensive, die so wenige gegnerische Punkte zuließ wie kein anderes Team in der Liga. Die Amerikaner Harvey Fuller und Joseph Robertson glänzen eher selten durch spektakuläre Aktionen, sind dafür aber emsige Arbeiter und leisten besonders in der Abwehr wichtige Arbeit.

„Ich kenne Trainer Marek Betz gut und habe die Truppe in dieser Saison drei Mal beobachtet. Überraschungen sollte es also nicht geben“, sagt Hans Beth und warnt vor der aggressiven, körperbetonten Verteidigung des TuS Treis-Karden. Der Hanauer Trainer erwartet einen Thriller in der Main-Kinzig-Halle. „Topspiele sind wegen ihrer nervlichen Belastung oft nicht auf dem höchsten Niveau. Spannend und attraktiv waren unsere Gipfeltreffen in dieser Saison aber immer“, so Beth, der jede Woche mit einem Ritual die guten Geister beschwört: Auf dem Weg nach Hanau gibt es Musik von Katie Melua auf die Ohren.

Die White Wings müssen beim Showdown schlimmstenfalls auf zwei Schlüsselspieler verzichten. Co-Kapitän Norman Lang musste sich nach seiner Zahnwurzelentzündung einer zweiten Antibiotika-Behandlung unterziehen und scheint noch nicht restlos fit. Auf eine Entscheidung der Staffelleitung bezüglich einer möglichen Sperre für Lionel Sullivan wartet der Verein noch. Der US-Profi hatte Gegenspieler Peter Voß vom TV Rastatt-Rheinau am vergangenen Samstag nach Ansicht der Schiedsrichter einen Faustschlag verpasst. Die Videoaufzeichnung habe neue Erkenntnisse über den Vorfall geliefert, meint Hans Beth: „Erst war Voß Ellenbogen an Lionels Hals, danach ist eine eindeutige Schlagbewegung nicht zu erkennen.“

Ob mit oder ohne Sullivan: Sebastian Köhnert ist von der Mannschaft überzeugt. „Jeder Einzelne hat die Qualität für die ProB“, ist er sich sicher und macht dem Trainer ein Kompliment für seine Arbeit.Hans Beth halte die Truppe zusammen und fände die richtige Mischung aus Lockerheit und harter Hand. Und er ließe erfahrene Spieler gewähren, erklärt der 27-Jährige. Mit der unerschütterlichen Konstanz, die seine Mannschaft in dieser Saison an den Tag legt, hat Köhnert dennoch nicht gerechnet. „Unglaublich, dass wir dieses Niveau so durchziehen und nicht ins Stolpern geraten. Aber wir hatten eben auch das nötige Quäntchen Glück.“ Auf das nötige Fortune hofft er auch am Samstag. Hans Beth lässt wieder Katie Melua für die guten Geister sorgen. (Hanauer Anzeiger/Dominik Sharaf)