Hanauer Anzeiger: Goldener Sonntag für die White Wings
Regionalliga: TG Hanau siegt beim SV 03 Tübingen mit 83:70 – TV Saarlouis verliert
Basketball (sha). Es war der perfekte Spieltag für die Basketballer der TG Hanau. Erst holten die Mannen von Hans Beth einen Rückstand auf und rangen den SV Tübingen mit 83:70 nieder. Eine nach dem Seitenwechsel taktisch exzellente Leistung der White Wings gepaart mit der richtigen Moral gab den Ausschlag für den alten und neuen Tabellenführer. Nach der Schlusssirene erreichte die TGH die gute Kunde aus dem Saarland: Der ASC Theresianum Mainz holte zeitgleich im Topspiel die Punkte beim TV Saarlouis. Für das Meisterrenen bedeutet das einen satten Vorsprung von drei Siegen auf das Verfolgerduo.

Am Ende war alles wie immer in einer Saison, in der sich die TGH wohl nur selbst stoppen kann: Die White Wings fuhren gegen den SV Tübingen den 13. Saisonsieg ein, die zahlreichen mitgereisten Hanauer Fans jubelten, Hans Beth hatte allen Grund, seine Spieler zu loben. Doch der Trainer sagte auch: „Es war eine der härtesten und interessantesten Partien der Saison.“ Denn erstmals wurden die Überflieger aus Hanau  moralisch getestet. Geschwächt durch eine starke Erkältung bei Anish Sharda und einen abgebrochenen Zehennagel am Fuß von Sebastian Köhnert nahmen die Weißen gehandicapt Aufstellung zum Sprungball. Und die Pechsträhne ging weiter. In der ersten Hälfte zeigten sich ungewohnte Schwächen, weil die Spieler vor allem im Angriff falsche Entscheidungen trafen.

Dazu erwartete die TGH ein Gegner in bestechender Form. „Obwohl wir um die starken Dreierschützen der Tübinger wussten, konnten wir ihren Lauf nicht verhindern“, so Beth. Zwar hatten die Hanauer Starspieler Rouven Hänig im Griff, jedoch musste der Cheftrainer  beinahe im Minutentakt präzise Distanzabschlüsse des SV mitansehen. Was bei den Gastgebern doch daneben ging, bügelte der reboundstarke Peter Klemm unter dem Brett wieder aus – oft unter gütiger Mithilfe der Turngemeinde, die im Luftkampf ungewohnte Schwächen zeigte. Zwischenzeitlich mit 17:33 im Rückstand sah alles nach der zweiten Saisonniederlage der White Wings aus. Doch schon vor dem Seitenwechsel zeigte sich, dass die Mannschaft nicht nur brillieren, sondern auch kämpfen kann. Die TGH kam auf fünf Punkte heran.

„Dann haben wir uns in der Kabine einen Taktikplan zurecht gelegt“, meinte Hans Beth. Und der ging auf: Klemm war abgemeldet, die Dreierschützen besser und aggressiver gedeckt. Unter den Körben dominierten plötzlich die bärenstarken Amerikaner Lionel Sullivan und Teddy Arterberry das Geschehen, beide avancierten zu den besten Scorer ihrer Mannschaft. Konditionell trotz der angeschlagenen Spieler voll auf der Höhe blieben die Hanauer bis weit ins Schlussviertel auf dem Gaspedal stehen und zeigten sich im Abschluss sicher, die Tübinger ließen nach. Den 83:70-Erfolg zur heroischen Aufholjagd zu stilisieren, schien Trainer Beth dennoch übertrieben: „Glaube versetzt Berge. Aber ich habe insbesondere mit Anish Sharda schon ganz andere Spiele gewonnen“, bremste der 53-Jährige.

Ein letzter Adrenalinschub an einem aufregenden Sonntag erfasste Beth, als ihn der Endstand aus Saarlouis erreichte. Dort hatte sein Ex-Club ASC Theresianum Mainz in einem denkwürdigen Verfolgerduell den großen Favoriten mit 84:83 niedergerungen und den Sonntag der White Wings so perfekt gemacht. Mit jetzt drei Siegen Vorsprung auf beide Titelkontrahenten dürfte die TGH endgültig der große Favorit im Meisterrenen sein und könnte sich jetzt sogar Niederlagen in beiden direkten Duellen erlauben. (Hanauer Anzeiger/Dominic Sharaf)

TG Hanau: Sullivan (19 Punkte), Sharda (18 / 2 Dreier), Arterberry (17), Köhnert (16/2), Ickert, Quarshie (beide 4), Wagner (3), Lang (2), Bahlke, Ruth.